Vor Ort im Kölner Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer / Flüchtlingsberatung

im Kölner Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer / Flüchtlingsberatung

Am 23.10.2015 besuchten wir das Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer / Flüchtlingsberatung in Köln. Das Projekt ist das erste bundesweite Therapiezentrum für Folteropfer und feiert in diesem Jahr sein dreißigjähriges Bestehen. Die Leiterin Brigitte Brand-Wilhelmy und die Geschäftsfeldleitung Monika Kuntze berichteten von den Anfängen und Veränderungen in ihrer Arbeit. In der Gründungsphase des Zentrums wurde das Projekt finanziell teilweise von dem UNHCR unterstützt, mittlerweile sind diese Fördergelder aber weggefallen, da das UNHCR nur noch Projekte in den jeweiligen Herkunftsländern von Flüchtlingen fördert.

Das Thema Finanzen nahm in dem knapp zweistündigen Gespräch einen breiten Raum ein. So beklagte Monika Kuntze, dass die „Arbeit mit Folteropfern zu lange als Randerscheinung und Luxusproblem“ wahrgenommen wurde. Außerdem nimmt der Fundraising-Aufwand viel zu viel Raum ein und bindet Personal, das in der Therapie wesentlich sinnvoller tätig werden könnte. Von beiden Mitarbeiterinnen kam der Wunsch nach einer mittelfristig gesicherten Finanzierung durch den Bund, die einen verlässlichen Rahmen für die psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung traumatisierter Flüchtlinge schaffen würde. Wir versprachen uns für dieses Anliegen einzusetzen und verwiesen auf den aktuellen Antrag unserer Bundestagsfraktion zur gesicherten Finanzierung der psychosozialen Versorgung.

Die Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin Brigitte Brand-Wilhelmy betonte, dass eine gesicherte Finanzierung und mittelfristige Planung für die hochqualifizierten Angestellten, wie auch die ehrenamtlich tätigen Dolmetscher unerlässlich ist. Dumpinglöhne werden in der Caritas-Einrichtung, im Gegensatz zu anderen Therapiezentren, prinzipiell nicht gezahlt. Diskutiert wurde auch über die Einführung der Gesundheitskarte für Flüchtlinge in NRW, die von allen Beteiligten als Schritt in die richtige Richtung begrüßt wurde, wenn auch die Einbeziehung aller Flüchtlinge in die Gesetzliche Krankenversicherung weiterhin anzustreben ist.

Danach erläuterten die Mitarbeiterinnen bei einem Rundgang durch die in der Kölner Innenstadt gelegene Einrichtung die Schwerpunkte des Zentrums: Neben Kunst-, Gruppen- und Familientherapie sind dies vor allem die Arbeit mit Roma und unbegleiteten männlichen Flüchtlingen. Brigitte Brand-Wilhelmy betonte, dass nach Schätzungen ca. 40% der Flüchtlinge traumatisiert sind und dringend eine Therapie benötigen. In diesem Zusammenhang betonte sie, dass alle in Deutschland lebenden Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus eine würdige gesundheitliche und insbesondere psychotherapeutische sowie psychosoziale Versorgung erhalten müssen. Eine Forderung, der wir uns völlig angeschlossen haben.

Katharina Dröge MdB und Volker Beck MdB

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Sprecher für Innenpolitik
Sprecher für Religionspolitik

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